Fritz Wegeleben als Gastautor in der Occupy-Zeitung

Ein Gastbeitrag von Fritz Wegeleben, Artfakt e.V. Düsseldorf

Die Titanic wurde unsinkbar genannt, sie sank.
Es wurde gesagt: die Atomtechnologie ist sicher, sogar noch nach Tschernobyl, dann geschah die Katastrophe von Fukushima.

Es hieß: Das Pentagon, die Machtschaltzentrale ist sicher und abgeschirmt. Bis zum 11. September 2001, und bis Hacker in die Computersysteme eindrangen und sensible Daten klauten.
Noch sicherer seien Bankdaten, dachten Steuerflüchtlinge, am allersichersten sind die Daten des Wettbüros EUREX, der Hedgefonds-Metropole London, der Börsen in Japan und New York – die Frage ist, wie lange noch?

Wann wird dieses Trauma Realität, wenn Datenströme zu Datensalat werden, wenn Billionen Daten ins Nichts entschwinden, Terra- und Gigabytes streiken, von Viren und Würmern gefressen werden? Die intelligenten Revolutionäre oder Terroristen, eventuell sogar demokratische Idealisten, bauen keine Sprengsätze mehr. Sie bekämpfen das gesellschaftliche Grundübel nicht mit Kreuzchen auf dem Stimmzettel, sondern per Mausklick am PC.
Was so genannte Volksvertreter, Finanzgipfel oder Finanz-Kontrollgremien nicht schafften, die „Finanzmärkte“ auf ein reales Wirtschaftsmaß zu beschneiden, könnte von Einzelpersonen, revolutionären Zellen, oder gegebenenfalls von nicht systemkonformen Staaten zum Chaos und Neubeginn gezwungen werden. Warten, bis die zentrale Himmelsmacht statt eines Sonnenwindes einen Orkan Richtung Erde bläst, bis die Datenspeicher brutzeln, dampfen, glühen, es überall nach Volt und Ampere stinkt, ist allzu viel Gottvertrauen. Das kann entweder morgen passieren oder in Millionen von Jahren.

Jedes technische System trägt in sich einen Selbstzerstörungsmechanismus und ist manipulierbar, sonst gäbe es weder Fukushima noch Flugzeugabstürze, Datenklau usw.
Warten bis sich ein System selbst zerstört ist der falsche Weg. Wir sind unsere eigenen Lebensgestalter, reif für Mitbestimmung und gesellschaftliche Entwicklung.
Demokratie ist eine Großbaustelle. Das Fundament existiert zwar in unseren Köpfen, aber in Wirklichkeit entstand eher ein Kuhstall mit goldenem Kalb, statt ein Haus für Menschenrechte und Demokratie. Die Baustelle Demokratie ist eine globale Baustelle. Aber fangen wir Europäer oder wir Deutschen doch damit an, den Kuhstall abzureißen, um ein Haus demokratischer Nationen zu bauen.

Zitat von Hans-Ulrich Jörges, Stern 35/2011 “Lüge und Höllenfahrt (Der Zwischenruf aus Berlin)“: „Die Herrschaft der Renditejäger – und das heißt: pure Spekulation – verzerrt oder zerstört alles, am Ende auch die Realwirtschaft. Die Mittelschicht als Trägerin des Bürgerlichen wird radikal entreichert, die  Altersvorsorge von Selbständigen, die ihre Reserven in Wertpapieren anlegen, zertrümmert, Riester-Renten und Lebensversicherungen werden zum Spielball von Spekulanten. Volkswohlstand, langfristig berechenbare Teilhabe endet auf dem Abenteuerspielplatz omnipotenter (allmächtiger) Hedgefonds.“
Also jeder Einzelne ist den Kapitalverbrechern ausgeliefert, der Sozialstaat wird scheibchenweise demontiert, Kinder- und Altersarmut wachsen, die Inflationsraten fressen Lohnzuwächse und darüber hinaus alle Reserven auf; die Preise explodieren. Demzufolge beeinflussen und manipulieren sie, neben der Wirtschafts- und Finanzwelt, politische Entscheidungen mit Gesetzgebungen, die Kultur, ja ganze Wertegemeinschaften, also Staaten und deren Sozialstrukturen.
Das ist ein Sieg der Großspekulanten, der Börsen und Banken über die Demokratie; Die Diktatur der ungezügelten Finanzjongleure, laut Jörges, der „kapitalistischen Anarchie“.
Demokratie wurde zur leeren Worthülse herabgewürdigt, Demokratie wird verspielt, verzockt als Ware, ohne Wahrheit feil geboten und verhökert.
Die bürgerliche kapitalistische Gesellschaft kann wahre Demokratie nicht vermitteln. Jörges: „Bürgerliche Parteien, die sich außerstande zeigen, die Menschen zu schützen, werden mit der alten Welt des Bürgerlichen untergehen.“

Die ideale Demokratie und ein geeintes Europa sind vorerst Traumgebilde, besser gesagt, eine Fata Morgana in einer Wüste der Glaubensirrtümer.

Die Brandstifter sind nicht die, die Brände legen, sondern diejenigen, die soziale Verantwortung tragen sollten, die Politiker und jene skrupellosen Kapitalverbrecher, die ganze Volkswirtschaften in die Pleite zwingen und ruinieren.
Das Feuer zum Flächenbrand wurde in den USA gelegt, eindeutig von verantwortungslosen Bankern – und wann wird die tragende Rolle in diesem Drama der Frankfurter Börse EUREX zufallen?

Egal welcher Couleur, deutsche Politiker segnen jede Form der „Finanzmotivation“ ab, das heißt den Erfindungsreichtum der Finanzjongleure zur wunderbaren Geldvermehrung, denn es geht ja blauäugig um die „Förderung des Finanzplatzes Deutschland“. Noch geht es um satte Gewinne und Umsätze auf dem Finanzmarkt, einige gewinnen, viele verlieren alles.
Die Steuern für Börsenhandel wurden 1991 vom damaligen Finanzminister Theo Waigel, CSU, abgeschafft, so ist es nun mal. Die ganz großen Zocker bleiben ungeschoren, der Lottospieler und der Rentner am Spielautomat werden steuerlich zur Kasse gebeten, da kann man ja gut auf einige Milliarden von Spekulanten verzichten.
Der Kapital- und Immobilienmarkt gehorcht wie Wasser den Fließ- und Strömungsgesetzen. Es geht um Gedeih und Verderb aller beteiligten sowie unbeteiligten Spieler auf dem Finanz- und Kapitalmarkt. Bei Überuferung oder Dammbruch egoistischer Macht- und Kapitalinteressen verwüstet der Fluss der Gier gesellschaftliches soziales Gemeinwohl, letztendlich sind Tote zu beklagen.

„Jede Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andere werde gepumptes Geld zurückzahlen. Tut er das nicht, so erfolgt eine so genannte Stützungsaktion, bei der alle, bis auf den Staat, gut verdienen.“ (Kurt Tucholsky)

Occupy Zeitung Deutschland

4 Antworten zu “Fritz Wegeleben als Gastautor in der Occupy-Zeitung

  1. Hast du noch fortfuehrende Informationen dazu ?

  2. Hei Ingo, dies ist der komplette Artikel der Occupy-Zeitung. Fortführende Infos zu Kunst u. Kulturaktion „Bauwagen der Demokratie“ findest du immer hier im WP-Blog oder/und im Facebook unter ArtFakt e.V. Diese Aktion ist als Langzeit-Projekt angelegt und wird ein Forum für demokratische Künstler und interessierte Zeitgenossen bieten.
    Wenn du den Kontakt zu Fritz Wegeleben suchst, besuche uns am 31.03 2012 in Düsseldorf.
    Greetz Art Janz

  3. Danke auch für die Verlinkung zur Occupy Zeitung Deutschland, in der es auch noch vieles anderes Lesenswertes zu finden gibt. Nach wie vor finde ich es toll, wenn sich Demokratiebewegungen vernetzen, sich gegenseitig Impulse geben und u.U. auch voneinander lernen….. Gruß, Tanja Brouwers

  4. Ja klar, liebe Tanja, Netzwerke können Kraft und Ideen geben, und das wird dann geteilt. So kann man arbeiten . . .

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