Paris: Eklat um Polit-Zensur

Ein peinlicher Fall von vorauseilendem politischen Gehorsam beschäftigt die Pariser Kunstszene.

Erst ließ der Direktor der staatlichen Pariser Kunstakademie Ensba, Henri-Claude Cousseau, am vergangenen Mittwoch eine bereits installierte Arbeit der chinesischen Künstlerin Ko Siu Lan, die das Wahlversprechen Präsident Sarkozys „Mehr arbeiten und mehr verdienen“ persifliert, kurz vor Eröffnung der Gruppenausstellung wieder abhängen, obwohl das Werk im Katalog abgebildet ist. Offiziell, so die Begründung Cousseaus, verstoße die Arbeit „gegen die Neutralität des öffentlichen Dienstes“, im kleinen Kreis wies er dagegen auf die schwierigen, noch nicht abgeschlossenen Haushaltsverhandlungen mit der Regierung hin. Nach Protesten der Künstlerin, die „so was in Frankreich niemals erwartet“ hätte, nach einer – vergeblichen – einstweiligen Verfügung ihrer Anwältin und nach entrüsteten Presseberichten in mehreren großen Tageszeitungen wurde das Werk – vier schwarze Banner mit den vier Wörtern „mehr“, „arbeiten“, „weniger“, „verdienen“ – dann am Samstag wieder aufgehängt. Auf ausdrückliche Anordnung des französischen Kulturministeriums. Nachdem die sozialistische Opposition gegen die „Zensur aus politischen Gründen“ protestiert hatte. Heinz Peter Schwerfel

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2 Antworten zu “Paris: Eklat um Polit-Zensur

  1. Die Einschränkung der künstlerischen Freiheit sagt viel über den gegenwärtigen Zustand der Demokratie im Nachbarland aus. Ist das etwa schon „New World Order“ oder nur ein verschweigen der gesellschaftspolitischen Situation in Europa.
    Zitat von Einstürzende Neubauten: „Was ist die Befindlichkeit des Landes?“

  2. Die Begrenzung der Meinungsfreiheit ist der Beginn vom Ende der Demokratie.

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